31. Januar 2026

Akzeptanz aus der zweiten Reihe

Akzeptanz ist ein Wort, das im Zusammenhang mit ME/CFS oft fällt.
Manchmal wirkt es ruhig, fast sachlich.
Manchmal wie ein Ziel, das man erreichen soll.

Aus der Sicht eines Partners fühlt sich Akzeptanz anders an.
Weniger kontrolliert.
Weniger abgeschlossen.
Und deutlich emotionaler.

Ich schreibe diesen Text nicht als Erkrankter. Ich schreibe ihn als Partner.
Als der emotionale Teil dieser Beziehung.
Und als jemand, der weiß, dass Akzeptanz kein Zustand ist – sondern ein Weg, der sich ständig verändert.

Mein Ausgleich: Bewegung, um Gedanken abzubauen

Für mich ist Sport ein Ausgleich. Nicht, um vor etwas wegzulaufen. Sondern um negative Gedanken abzubauen.

Bewegung schafft mir Raum. Raum, um zu sortieren. Raum, um zu verstehen, dass sich Dinge verändern – und dass ich das nicht ignorieren kann.

Sport hilft mir, Frust, Angst und Hilflosigkeit loszuwerden, ohne sie an Lisa abzuladen.
Er gibt mir die Möglichkeit, stabil zu bleiben, wenn innerlich vieles arbeitet.

Nicht als Flucht. Sondern als Ventil.

ADHS, Naivität und dieses „Das wird schon“

Durch mein ADHS denke ich oft viele Ecken weiter.
Gleichzeitig bringt es aber auch eine gewisse Naivität mit sich.

Dieses innere
„Das wird schon.“
„Das bekommen wir hin.“
„Wir hatten schon schlimmere Zeiten in unserem Leben.“

Und ja – das stimmt.
Wir haben Verluste erlebt.
Veränderungen.
Missverständnisse.
Brüche.

Was kaum zu denken ist: ME/CFS ist anders.
Nicht, weil wir schwächer wären als früher. Sondern weil diese Krankheit nicht verhandelt.

Akzeptanz heißt für mich auch, diese Naivität zu erkennen – und sie nicht das Steuer übernehmen zu lassen.

Akzeptieren, dass sich nicht nur mein Leben ändert

Ein schmerzhafter Teil von Akzeptanz ist zu verstehen: Es ändert sich nicht nur mein Leben.

Es ändert sich Lisas Leben.
Träume müssen aufgegeben werden.
Manche Vorstellungen vom Leben lösen sich auf.
Manchmal fühlt es sich an, als würde ein ganzes Lebenskonzept wegfallen.

Das betrifft nicht nur den Alltag.
Das betrifft Zukunft.
Pläne.
Identität.

Und das tut weh. Auch für mich.
Akzeptanz heißt für mich nicht, das kleinzureden – sondern es auszuhalten.

Liebe zeigen, nicht erklären

Ich versuche Lisa zu zeigen, wie sehr ich sie liebe.
Nicht trotz dieser Krankheit.
Sondern in dieser Realität.

Nicht mit großen Gesten.
Nicht mit Durchhalteparolen.
Sondern mit Dableiben.
Mit Ernstnehmen.
Mit gemeinsamen Entscheidungen, die oft wenig glamourös sind, aber schützen.

Gemeinsam durchzuhalten ist mir wichtiger als Selbstverwirklichung.
Und das ist keine Aufopferung.
Ich bin kein Heiliger.
Ich will auch keiner sein.
Ich tue das nicht, um bewundert zu werden.

Ich tue es, weil ich sie liebe.

Halt geben – auch wenn es von außen komisch wirkt

Ich bin groß geworden mit Verlusten.
Mit Veränderungen.
Mit dem Gefühl, missverstanden zu werden.

Vielleicht fällt mir genau deshalb eines besonders leicht: Halt geben.

Auch wenn es von außen seltsam wirkt.
Auch wenn andere es nicht nachvollziehen können.

Ihr liebt diese Person.
Und vor euch sitzt immer noch dieselbe Person wie vorher. Sie braucht Halt. Zuversicht.
Und das Gefühl, dass sie diesen Kampf nicht alleine führen muss.

Akzeptanz ist ein Prozess – auch mit Grenztests

Akzeptanz ist nichts Starres. Sie ist ein Prozess.

Manchmal testet man Grenzen.
Gerade als emotionaler Teil einer Beziehung.
Manchmal hofft man.
Manchmal verschätzt man sich.

Und das heißt nicht, dass Lisa keine Emotionen hat. Im Gegenteil.

Sie kann ihre Emotionen oft deutlich besser steuern als ich.
Bei mir sieht man Gefühle meist sofort.
Manchmal liegen sie offen da.
Manchmal verpacke ich sie hinter einem Eisberg.

Beides gehört zu uns.
Und beides darf da sein.

Warum ich bleibe

Ich habe Lisa vor vielen Jahren versprochen, immer für sie da zu sein.
Ich halte dieses Versprechen nicht, weil ich es gegeben habe.

Ich halte es, weil ich es aus tiefer Liebe gegeben habe.

Akzeptanz bedeutet für mich nicht, das Leben aufzugeben.
Sondern es neu zu halten.

Nicht lauter.
Nicht härter.
Sondern näher.
Und gemeinsam.

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