19. Dezember 2025
Warum selbst Betroffene und Angehörige manchmal so unfair sein können
Im Sport geht es um Fairness, Respekt und Zusammenhalt.
Zumindest in der Theorie. (Lassen wir mal das Doping außen vor ;))
Umso irritierender ist es, dass genau diese Werte dort oft fehlen, wo man sie am meisten erwarten würde: bei Vereinen und Initiativen, die eigentlich für dieselbe Sache stehen.
Statt gemeinsam zu arbeiten, entsteht Konkurrenz.
Statt Solidarität sieht man Werbung.
Nicht „Wie können wir uns ergänzen?“
Sondern: „Schaut her – wir sind wichtiger, sichtbarer, besser.“
Es geht um Logos, Reichweite, Produkte und Positionierung – und zu selten um das eigentliche Ziel. Dabei sollten gerade wir wissen, wie wichtig Fairness ist. Wie es sich anfühlt, übersehen oder nicht ernst genommen zu werden.
Genau hier beginnt für mich die Frage, warum ausgerechnet in diesem Umfeld so oft gegeneinander gearbeitet wird, statt gemeinsam.
Es gibt Tage, da frage ich mich ernsthaft, warum es gerade in einem Umfeld, das von Krankheit, Belastung und gegenseitigem Verständnis geprägt sein sollte, manchmal so unfair, so laut und so anstrengend wird.
Und ich meine damit nicht „die anderen“.
Ich meine auch Betroffene.
Ich meine auch Angehörige.
Vielleicht gerade sie.
Wenn Versprechen mehr Energie kosten als helfen
Was mich müde macht, ist nicht die Krankheit an sich.
Es sind auch nicht die Herausforderungen im Alltag.
Es ist der Umgang miteinander.
Versprechungen, die einfach nicht eingehalten werden.
Ankündigungen, große Worte, viel Aktionismus – und am Ende nichts.
Kein Ergebnis.
Keine Rückmeldung.
Kein ehrliches „Ich schaffe das gerade nicht“.
Stattdessen:
Warten.
Nochmal warten.
Und nochmal warten.
Und ja – ich weiß, es ist Ehrenamt.
Ich weiß, niemand wird dafür bezahlt.
Aber genau deshalb sollte eines da sein: Verbindlichkeit.
Und noch etwas gehört an dieser Stelle auch gesagt:
Ehrenamt bedeutet nicht, dass man anfängt, Modelle zu bauen, um aus der Sache Geld zu schlagen.
Ich rede hier ausdrücklich nicht von der Ehrenamtspauschale.
Die ist gerechtfertigt.
Sie ist Anerkennung, Ausgleich, Wertschätzung für Zeit und Aufwand.
Was ich meine, sind Konstrukte, bei denen plötzlich über externe Gehälter, Honorare oder verdeckte Finanzierungen gesprochen wird – während nach außen weiterhin das Wort „ehrenamtlich“ benutzt wird.
Das passt für mich nicht zusammen.
Denn entweder wir reden von Ehrenamt –
oder wir reden von bezahlter Arbeit.
Beides gleichzeitig zu vermischen, Erwartungen aufzubauen, Engagement einzufordern und im Hintergrund über Gehaltsmodelle zu sprechen, fühlt sich nicht nur schief an – es untergräbt Vertrauen.
Gerade in einem Umfeld, in dem es um Krankheit, Solidarität und gegenseitige Rücksicht geht, braucht es Transparenz.
Klare Rollen.
Klare Worte.
Alles andere kostet am Ende mehr, als es bringt:
Energie.
Motivation.
Und das Vertrauen derjenigen, die wirklich mit Herz dabei sind.
Denn Zeit ist das Wertvollste, was wir haben.
Und gerade Angehörige haben davon oft sowieso zu wenig.
Nicht zuhören – sondern alles auf sich beziehen
Was mich besonders traurig stimmt:
Dass viele nicht zuhören, sondern alles sofort durch ihre eigene Situation interpretieren.
„Bei uns ist das aber anders.“
„Für mich fühlt sich das nicht richtig an.“
„Ich sehe das ganz anders.“
Das mag alles stimmen.
Aber es geht nicht immer um deine Geschichte.
Unser Ansatz ist klar – und er braucht Erklärung:
Nicht die Erkrankten machen Sport.
Sondern die, die es noch können, sorgen für Sichtbarkeit.
Das ist kein Angriff.
Das ist kein Ausschluss.
Das ist Solidarität.
Und trotzdem kostet es unfassbar viel Energie, das immer wieder neu erklären zu müssen – vor allem gegenüber Menschen, von denen man eigentlich Verständnis erwarten würde.
Falsche Hoffnungsträger und laute Blender
Was mich ebenfalls beschäftigt:
Wie schnell manche Personen auf ein Podest gestellt werden.
Menschen, die gut aussehen.
Gut reden.
Gut vernetzt scheinen.
„Götter in bunten Klamotten.“
Und innerlich hattest du von Anfang an dieses Gefühl:
Da stimmt etwas nicht.
Und am Ende bestätigt es sich.
Leere Worte.
Selbstdarstellung.
Quacksalber-Mentalität.
Viel Show.
Wenig Substanz.
Und dann stehst du da und denkst:
Warum haben wir so viel Zeit, Hoffnung und Energie in genau diese falschen Personen gesteckt?
Eine wichtige Erkenntnis: Ehrenamt heißt nicht grenzenlos
Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich:
Auch im Ehrenamt darf – und muss – man Grenzen ziehen.
Man darf sagen:
„So nicht.“
„Das reicht.“
„Darauf warten wir nicht mehr.“
Man darf Dinge klar benennen.
Man darf Worte aussprechen, die unbequem sind.
Denn 100 Ausreden, ständiges Verschieben und Warten ohne Ergebnis sind auch im Ehrenamt nicht okay.
Natürlich kommt dann sofort der Gedanke:
Sie machen es freiwillig.
Du kannst nicht von dir auf andere schließen.
Doch ein Stück weit kann man das schon.
Wenn man für etwas brennt,
dann brennt man nicht nur dann,
wenn es dem eigenen Ego nutzt,
wenn Sichtbarkeit winkt
oder wenn man sich selbst bereichern kann.
Dann ist man da.
Ganz.
Ehrlich.
Verlässlich.
Ich nehme Ehrlichkeit lieber als leere Versprechen
Mir sind ehrliche Einschätzungen lieber als das Blaue vom Himmel.
Ein klares „Ich schaffe das nicht“ ist mir tausendmal lieber als goldene Versprechen, die sich beim genaueren Hinsehen als leere Schale entpuppen.
Und ja, ich weiß:
Viele sagen dann:
„Nimm es nicht so ernst.“
„Reg dich nicht auf.“
„So ist Ehrenamt eben.“
Aber vielleicht ist genau das der Punkt.
Vielleicht müssen wir es ernster nehmen.
Nicht verbissener – sondern klarer.
Warum ich das aufschreibe
Nicht, um anzugreifen.
Nicht, um abzurechnen.
Sondern weil Klartext dazugehört.
Weil Gedanken auch mal raus müssen.
Weil Schweigen oft mehr kaputt macht als ehrliche Worte.
Weil wir aber auch für Transparents stehen, im sinne der Worte
Ich glaube, ich spreche hier für viele, die ehrenamtlich arbeiten.
Für die, die Herz reinlegen. Zeit. Energie. Und manchmal zu viel Geduld.
Vielleicht hilft dieser Text genau dabei:
Grenzen sichtbarer zu machen.
Erwartungen klarer.
Und den Fokus wieder auf das zu legen, worum es eigentlich geht.
Menschen.
Nicht Egos.
Und echte, verbindliche Arbeit – auch im Ehrenamt.
