5. Januar 2026

Stolz. Dankbarkeit. Anpassung.

Ich bin stolz auf Lisa.

Nicht auf eine idealisierte Vorstellung von Stärke, sondern auf diese leise, beständige Kraft, die oft unsichtbar bleibt. Die nicht laut ist, nicht fordert, nicht inszeniert – sondern einfach da ist. Jeden Tag.

Unser Leben verändert sich gerade stark. Routinen verschieben sich, Pläne werden kleiner, Wege müssen neu gedacht werden. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist jeder Moment mit ihr für mich wertvoll. Mehr als je zuvor. Zeit bekommt plötzlich ein anderes Gewicht. Sie wird bewusster, dichter, ehrlicher.

Besonders in dieser Jahreszeit fällt mir das auf. Weihnachten. Eine Zeit, in der eigentlich Nähe, Rücksicht und Miteinander im Mittelpunkt stehen sollten. Stattdessen wirkt vieles hektisch, laut, egozentrisch. Menschen funktionieren, erledigen, konsumieren. Kaum jemand schaut noch wirklich hin. Diese Atmosphäre macht es schwer, den Blick nach oben zu richten, schwer, Hoffnung nicht zu verlieren. Und ja – manchmal fällt auch uns das schwer.

Trotzdem bin ich positiv gestimmt. Nicht, weil alles gut ist. Sondern weil ich gelernt habe, genau hinzusehen. Ich weiß sehr genau, dass ich nicht die Schmerzen trage. Ich weiß, dass ich nicht die körperlichen Einschränkungen erlebe und nicht mein bisheriges Leben loslassen musste. Das relativiert nichts. Es macht mich nur demütig. Und gleichzeitig dankbar für jede Sekunde, die wir gemeinsam haben.

Dass sich unser Alltag verändert, empfinde ich nicht als Verlust. Anpassung war schon immer Teil unseres Weges. Wir haben uns oft neu ausgerichtet, neu sortiert, neue Realitäten angenommen. Und jedes Mal haben wir etwas mitgenommen. Eine Erkenntnis. Einen anderen Blick. Mehr Tiefe. Hinter jeder Tür wartet etwas, das man vorher nicht sehen konnte.

Was mich dabei immer wieder beeindruckt, ist Lisas Umgang mit dieser Situation. Diese Krankheit zu erklären, fühlt sich oft an wie eine endlose Schleife. Immer wieder dieselben Fragen. Dieselben vereinfachten Antworten. Dass Medikamente nicht alles lösen, wenn der Ursprung nicht verstanden ist, scheint für viele schwer greifbar. Und trotzdem bleibt sie dran. Trotz ihres begrenzten Energielevels. Trotz mentaler Erschöpfung. Trotz Rückschlägen.

Sie versucht zu verstehen. Zusammenhänge. Prozesse. Den eigenen Körper. Woher sie diese Energie nimmt, frage ich mich oft. Ist es Überlebensinstinkt? Ist es ihr analytischer Blick? Oder ist es einfach diese innere Stärke, die sie schon immer hatte? Vielleicht ist es alles zusammen. Ich weiß nur: Lisa ist eine der stärksten Frauen, die ich je kennengelernt habe. Und ich bin stolz, Teil ihres Lebens zu sein.

Geduld ist dabei ein großes Thema. Eine Geduld, die sie sich erarbeitet hat und die mir oft fehlt. Sie geht Dinge sachlich an, ruhig, strukturiert. Nach außen wirkt das manchmal distanziert oder kalkuliert, dabei ist es genau das Gegenteil. Es ist ihre Art, nicht zu verzweifeln. Während ich innerlich manchmal schon kurz davor bin, die Fassung zu verlieren, bleibt sie klar. Nicht immer gibt es Antworten. Nicht immer Lösungen. Aber nichts wird verdrängt oder klein geredet.

Ich habe das Gefühl – auch wenn ich es noch nicht vollständig greifen kann –, dass Lisa Teil von etwas Größerem ist. Ihr Kampf ist nicht neu. Er hat nur ein anderes Gesicht bekommen. Heute geht es um Aufklärung. Um Sichtbarkeit. Um eines der größten medizinischen Versäumnisse unserer Zeit. Und sie trägt das nicht laut vor sich her. Sie arbeitet daran. Still. Konsequent. Tag für Tag.

Heute bin ich einfach dankbar.

Für meine Frau. Für meine Seelenpartnerin. Für meine beste Freundin. Für den Menschen, der mich begleitet, erdet und fordert. Ich freue mich auf das, was kommt – auch wenn ich weiß, dass es nicht leicht wird. Denn selbst in Zeiten, in denen viel Dunkelheit da ist, gibt es Licht.

Manchmal ist es leise.

Manchmal reicht es gerade so.

Aber es ist da.

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